Klaus Panzer, in eigener Sache:
Als Kind
hatte ich die Gelegenheit, Therese Neumann persönlich zu erleben. Zur ersten Begegnung
fand ich in meinem Tagebuch folgenden Eintrag (19.4.1957):
„Heut waren
wir in Konnersreuth. Es regnete. Vor Therese Neumann bekam man richtig Angst.
Die Augen waren mit Blut unterlaufen. Sie rang mit den Händen. Es war
schauerlich anzusehen. Dann fuhren wir wieder heim.“
Ich war
damals 12 Jahre alt und es ist fraglich, ob man heute seinem Kind in diesem Alter so
etwas zeigen würde. Aber es war wohl durchaus von Pfarrer Naber beabsichtigt, durch diesen schrecklichen
Anblick die Leute zum Glauben zu führen. Daher gab es vor dem Einlass der
Besucher immer den eindringlichen Appell, in gläubiger Absicht und nicht aus
Sensationsgier das Zimmer der Resl zu betreten.
Es war streng verboten zu
fotographieren. Trotzdem sind heute z.B. bei youtube Aufnahmen zu
sehen, die auch heute noch beeindrucken.
Da ich mehrmals meinen Vater begleitete, wenn er als gern gesehener Journalist Konnersreuth
besuchte, bekam ich auch einen anderen Eindruck von der Resl: Eine
resolute, mit beiden Beinen im Leben stehende, oberpfälzer Frau, die uns Kindern
auch bereitwillig ihre Wundmale an den Händen zeigte.
Auch
nach dem Tod der Resl fuhr Albert Panzer an jedem Karfreitag nach
Konnersreuth. Zuächst war Pfarrer Naber noch als Ansprechpartner
da und wir konnten ein Gespräch mit ihm auf Tonband aufnehmen. Aber
es war still geworden und eine eigenartige Stimmung
lag über dem Ort, so als müsste doch irgendetwas geschehen. Die Votivtafeln
am Grab wurden immer mehr und es kamen Besucher, über die mein
Vater dann in der Zeitung berichtete.
Die offizielle Kirche verhielt
sich lange Zeit sehr zurückhaltend und neutral. Rückblickend gesehen
war
das eigentlich auch eine interessante Zeit im Vergleich zu heute, wo
wichtige Zeugen und Kritiker verstorben sind. So konnte Therese
Neumann durch Bischof Müller 2005 ohne Probleme zur Verehrung freigegeben
werden.
Wie
unterschiedlich Menschen auf Konnersreuth reagierten, konnte ich an meinen
eigenen Eltern erfahren. Während mein Vater als Journalist versuchte, auf
neutraler Distanz zu bleiben, baute meine tiefreligiöse Mutter die
"Resl" fest in ihren Glauben ein. Die Schauungen von Therese Neumann
waren für sie eine fundamentale Ergänzung der Bibel und sie duldete
diesbezüglich keinerlei Kritik.
Meiner
Meinung nach muss man zwischen den historischen
Ereignissen und der Religiosität, die dahinter steckt oder hineininterpretiert
wird, trennen. Toni Siegert, Sachverständiger im
Seligsprechungsprozess, sieht sich
bei seinen Arbeiten auch immer als „Historiker“ und hält diese Trennung konsequent
ein.
Historisch
steht die Zeit der Resl ja für ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Dies wird
deutlich, wenn man den ersten Band von Gerlich liest, der uns
auch die Zeitumstände anschaulich macht.
Was mich
heute noch fasziniert, ist die Tatsache, wie viele, intelligente Leute aus den
verschiedensten Richtungen kommend, die Wahrheit um Konnersreuth suchten.
Ich freue
mich, dass ich mit Hilfe eines Mitgliedes des Konnersreuther Rings auch zwei
Werke des Freiherrn
von Aretin auf dieser Internetseite veröffentlichen kann.
Freiherr von
Aretin war von der Bildung her – so wie ich - naturwissenschaftlich orientiert
und auch ihm war bewusst, dass der Glaube an die Nahrungslosigkeit bedeutet,
dass man glaubt: Naturgesetze wurden außer Kraft gesetzt. Dies zu
glauben fiel ihm schwer und in persönlicher Begegnung suchte er nach der
Wahrheit.
Die religiöse Seite der Therese Neumann ist für einen
heutigen Christen schwer nachvollziehbar. Einen guten Einblick vermittelt
meiner Meinung nach folgendes Buch:
Niedermeier Augustin, Joseph Naber, Der Pfarrer
der Konnersreuther Resl, Regensburg 2001, ISBN 3-7954-1322-2
Hier liegt meiner
Meinung nach auch ein Schlüssel zum Verständnis von Konnersreuth,
soweit man die Geschehnisse heute überhaupt verstehen und einordnen
kann.
Dank und Anerkennung
gebührt den Bürgern und der Gemeinde von Konnersreuth, die Ihrer Resl ein würdiges
Andenken bereiten.
Mit dieser Seite will ich auch weiterhin einen
kleinen Beitrag leisten.