Lena Panzer

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Konnersreuth und seine Orte der Verehrung.
Zur Topographie eines Kults in der Gegenwart

(Magisterarbeit von Marie Lena Panzer, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Volkskunde/Kulturgeschichte, 2010)

Während des Studiums am Institut für Volkskunde/Kulturgeschichte der Universität Jena belegte ich ein Seminar mit dem Titel: „Visionen und Wunderglaube. Wallfahrten im Europa des 19. Und 20. Jahrhunderts.“ Im Rahmen dieses Seminars beschäftigte ich mich mit den ersten deutschen Wallfahrern nach Lourdes. Das Thema faszinierte mich, und auf einer mehrtägigen Exkursion nach Passau, Altötting und Marktl am Inn, dem Geburtsort von Papst Benedikt XVI., wurde mir die Aktualität, die Wallfahrten und der Glaube an göttliche Wunder in der Gegenwart haben, bewusst.

Die kleine oberpfälzische Marktgemeinde Konnersreuth, in der die stigmatisierte Therese Neumann lebte, kannte ich von Ferienbesuchen bei meinen Großeltern Albert und Anni Panzer. Beide sprachen mit Verehrung von Therese Neumann. Ihre Erzählungen von Begegnungen mit „der Resl“, ihren Wundmalen und den Visionen waren für mich im Vergleich zu den Ferienerlebnissen mit den dortigen Nachbarskindern oder den vielen Ausflügen nebensächlich. Auch das Erscheinen des Buches „Licht von drüben“, in dem Albert Panzer Anfang der 1990er Jahre seine Begegnungen mit Therese Neumann aufgeschrieben hatte, bekam ich nur am Rande mit. Während ich an einem Seminar über „Formen und Dimensionen weiblicher Frömmigkeit und Handlungsspielräume im 19. Jahrhundert“ teilnahm, erinnerte mich Vieles, was ich über die stigmatisierte Katharina Emmerich las, an die Erzählungen über Therese Neumann. In diesem Zusammenhang begann ich, mich für Therese Neumann zu interessieren und begann u.a. „Licht von drüben“ zu lesen. Bei den unterschiedlichen Fragestellungen, die im Zusammenhang mit Volksfrömmigkeit, Wallfahrten und Wunderglaube diskutiert wurden, fielen mir zahlreiche Parallelen zu Therese Neumann auf.

Viele Jahre nach meinem letzten Besuch fuhr ich 2009 wieder nach Konnersreuth und war erstaunt, wie präsent Therese Neumann, dort noch immer ist, obwohl sie bereits 1962 verstorben ist. Während der Besichtigung ihres ehemaligen Wohnhauses kam ich schnell mit einer Konnersreutherin ins Gespräch, die in ehrenamtlicher Arbeit das Haus betreut. Ich hatte den Eindruck, dass viele Aspekte, die ich über Wallfahrten und die Entstehung neuer Wallfahrtsorte gelesen hatte, in Konnersreuth auch zu beobachten sind. Im Rahmen meiner Magisterarbeit beschrieb ich Orte innerhalb Konnersreuths, die zum Gedenken und als Zeichen der Verehrung von Therese Neumann erhalten wurden, die neu errichtet worden waren oder sich noch in der Entstehungsphase befanden. Mich interessierte dabei, wer die Initiatoren dieser Orte der Verehrung waren, unter welchen Umständen sie entstanden und welche Funktionen sie für die Konnersreuther Einwohner sowie die Gläubigen erfüllten. In diesem Zusammenhang wurden Parallelen zu anderen Wallfahrtsorten offensichtlich. Die Frage, ob Konnersreuth gegenwärtig ein Wallfahrtsort sei oder dies möglicherweise zukünftig werden könnte, wurde diskutiert. In narrativen Interviews befragte ich Konnersreuther Bürgerinnen und Bürger sowohl zur Bedeutung von einzelnen Orten der Verehrung als auch zu ihren Eindrücken und Erwartungen, wie sich die Gemeinde zukünftig entwickeln könnte. Es ging in dieser volkskundlichen Arbeit nicht um eine Auseinandersetzung mit theologischen Aspekten bezüglich der Biografie von Therese Neumann. Die enorme Bandbreite der Quellen über Therese Neumann von persönlichen Verehrungsschriften über nüchterne medizinische Einschätzungen bis hin zu barscher Kritik an der Glaubwürdigkeit der Ereignisse von Konnersreuth nahm ich zur Kenntnis und bezog in einem kurzen biografischen Überblick über Therese Neumann sowohl ihre Kritiker als auch diejenigen mit ein, die daran glauben, dass in Konnersreuth Wunder geschehen. Eine persönliche Bewertung spielte für die gewählte Fragestellung keine Rolle.